Energiewirtschaftliches Lexikon

BegriffErläuterung
(n-1)-KriteriumDas (n-1)-Kriterium bezeichnet einen Betriebsstandard, den die europäischen Netzbetreiber einhalten müssen. Ein (n-1)-sicheres System ist ein System, das beim Ausfall einer einzelnen Komponente den normalen Betrieb beibehalten kann. Im Fall eines Stromnetzes kann eine Komponente eine Übertragungsleitung, ein Transformator oder ein Kraftwerksblock sein.
„Use it or loose it“-PrinzipNachdem ein Marktteilnehmer z. B. im Rahmen einer expliziten Auktion Übertragungskapazität erworben hat, hat er das Recht – aber nicht die Pflicht –, diese Übertragungskapazität zu nutzen. Nutzt er diese Kapazität nicht, d. h. nominiert er keine Kapazität auf der entsprechenden Grenze, wird diese für andere Marktteilnehmer freigegeben.
AfterdayDer Afterday-Handel bezeichnet den kurzfristigen Ex-post-Handel und bietet die Möglichkeit, Fahrplanabweichungen im Umfang der Marktregeln noch nachträglich auszugleichen. Die einschränkende Marktregel hierfür ist insbesondere die Möglichkeit der Ex-post-Anpassung der internen (nicht regelzonenübergreifenden) Fahrplanpositionen bis zu einem gewissen Zeithorizont in die Vergangenheit (in der Regel bis zum vorherigen Werktag).
AllokationDie Allokation bezeichnet die insgesamt in einem Handelssystem zur Verfügung stehende Menge an Emissionsberechtigungen.
Analytische Risikokennzahlen-BerechnungRisikoberechnung, die vereinfachend mathematische Annahmen trifft, um ein einfaches Formelergebnis zu erzielen.
Analytisches LastprofilDas analytische Lastprofil wird anhand der Restlastkurve bilanzierungsgebietsspezifisch ermittelt. Die Restlast ist die Differenz aus Netzlast und Summe aller gemessenen Kunden.
Anlegbarer PreisIn längerfristigen Verträgen kann der Erdgaspreis an den Preis für Heizöl „angelegt“ werden. Hintergrund für den anlegbaren Preis ist die Substituierbarkeit von Erdgas durch andere Brennstoffe wie etwa Heizöl. Dadurch besteht ein Zusammenhang zwischen den Erdgaspreisen und den Preisen für Konkurrenzenergie, wobei Heizöl der wichtigste Preisbindungsfaktor ist.
Annuitätsfaktor(ANF)Faktor zur gleichmäßigen Verteilung einer Zahlung auf eine Laufzeit in Abhängigkeit von der Dauer und dem Zinssatz. Formel: (1+i)T*i/((1+t)T-1), wobei i: Zinssatz, T: Anzahl der Perioden (z. B. Jahre)
API#2-IndexLeitindex für Steinkohle, die in den ARA-Raum (Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen) importiert wird. Der Index bezieht sich auf einen Brennwert von 6.000 kcal/kg und wird inklusive CIF (Cost, Insurance and Freight) in US$/t notiert. Durch die Notierung in US$ haben somit Wechselkursschwankungen (€/US$) signifikanten Einfluss auf den tatsächlichen (in Euro) zu zahlenden Steinkohlepreis.
ARAÖl- und Kohle-Handelsraum im Städtedreieck Amsterdam–Rotterdam–Antwerpen. Alternative Bezeichnungen sind NWE (North West Europe) oder „Rotterdam“.
ArbeitsgasGas in Erdgasspeichern, das entnommen werden kann.
ArbitrageArbitrage bezeichnet das Ausnutzen von Preisunterschieden für gleiche Güter auf (zeitlich, räumlich oder sachlich) verschiedenen Märkten. Hierdurch lassen sich Marktineffizienzen ausnutzen und risikolose Gewinne erzielen.
Ask (Offer)Preis, zu dem ein Händler bereit ist, eine bestimmte Menge eines Handelsprodukts zu verkaufen.
AuktionshandelEine Handelsform an der Börse, bei der im Gegensatz zum fortlaufenden Handel (Kontinuierlicher Handel) zunächst alle Kauf- und Verkaufsgebote gesammelt werden, um anschließend den Marktpreis zu bestimmen. Der so bestimmte Preis („Market Clearing Price“) gilt dann für alle Auktionsteilnehmer, die den Zuschlag bekommen haben. Die Day-Ahead-Spotmarktauktion der EPEX findet werktäglich um 12 Uhr statt.
AusbauplanungOptimierung des Übergangs von der bestehenden Netzstruktur in Richtung der zuvor in der Grundsatzplanung ermittelten Zielnetze in einem Zeitraum von 20–40 Jahren
AusfallreservevertragVertrag für die Lieferung von Reserveenergie beim Ausfall eines Kraftwerks.
AusfallrisikoRisiko, dass eine Vertragspartei ihren Vertragsverpflichtungen nicht nachkommen kann. Arten des Adressenausfallrisikos sind das Wiedereindeckungs-, das Wiederabsatz- (Lieferverpflichtungen) und das Zahlungsrisiko.
Ausgleichsenergie(AE)Unter Ausgleichsenergie wird die Differenz zwischen dem vereinbarten Fahrplanwert und dem tatsächlichen Bezug über einen Bilanzkreis verstanden. Im Rahmen der Bilanzkreisabrechnung wird dem Bilanzkreisverantwortlichen diese Energie multipliziert mit dem Ausgleichsenergiepreis vom Bilanzkreiskoordinator in Rechnung gestellt oder gutgeschrieben.
Ausspeisenetzbetreiber(ANB)Netzbetreiber, mit dem der Transportkunde einen Ausspeisevertrag abschließt.
Available Transfer Capacity (ATC)Differenz aus dem gesamten zur Verfügung stehenden NTC auf einer Grenze und der bereits langfristig vergebenen Kapazität. ATC stellt die kurzfristig (z. B. im Spotmarkt) verfügbare Kapazität dar.
Back-to-BackBei einem Back-to-Back-Geschäft wird die Transaktion eines Zwischenhändlers durch ein Gegengeschäft mit einer weiteren Partei weitestgehend abgesichert, so dass für den Zwischenhändler nur ein geringeres Risiko verbleibt.
Back OfficeAls Back Office bezeichnet man den Teil eines Unternehmens, der nicht das Kerngeschäft umfasst, sondern zu dessen Aufrechterhaltung dient. Üblichwerweise umfasst das Back Office die Rechnungslegung und Buchführung.
BackwardationEine Preissituation am Terminmarkt, in der langfristiger terminierte Forward- bzw. Futuresverträge unter dem Preis für kurzfristiger terminierte Verträge bei gleichem Basiswert liegt. Ein Beispiel für eine Backwardation ist, wenn der Preis für einen Rohstoff für das Frontjahr höher als der Preis für das darauf folgende Lieferjahr ausfällt. Das Gegenteil von Backwardation ist Contango.
BandlieferungEnergielieferung mit einer über die gesamte vereinbarte Vertragslaufzeit konstanten Leistung/Kapazität. Es wird demnach stündlich immer dieselbe Menge Elektrizität oder Gas geliefert.
BankingBanking bezeichnet die Möglichkeit, Emissionsberechtigungen aus einer Verpflichtungsperiode in nachfolgende Perioden zu übertragen. Im EU ETS ist dieses Vorgehen uneingeschränkt von der 2. in die 3. Handelsphase möglich, war jedoch nicht von der 1. in die 2. Phase erlaubt.
BaseProdukt mit konstanter Leistung von 0:00 Uhr bis 24:00 Uhr, 7 Tage die Woche
BearishEin Markt wird als „bearish“ bezeichnet, wenn die Preise über einen längeren Zeitraum fallen oder fallende Preise erwartet werden. Der Bär ist an der Börse das Symbol für fallende Kursverläufe. Gegenteil: Bullish.
BenchmarksInstrument zur Bestimmung der spezifischen Zuteilungshöhe entsprechend definierter Standardemissionsfaktoren für Installationstypen bzw. Industriezweige, die überwiegend auf der besten verfügbaren Technologie (BVT) basieren.
Benutzungspreis(BP)Der Benutzungspreis eines Kraftwerks bezeichnet den leistungsunabhängigen Betriebspreis (abgerechnet in €/h). Er stellt im Wesentlichen den im Betrieb des Kraftwerks fix (d. h. brennstoff-unabhängig) anfallenden Kostenanteil dar.
BidPreis, zu dem ein Händler bereit ist, eine bestimmte Menge eines Handelsprodukts zu kaufen.
Bid-Ask-SpreadDifferenz zwischen dem besten Bid- (Kauf-) und dem besten Ask- (Verkaufs-)Preis eines Handelsgutes. Ein geringer Bid-Ask-Spread ist in der Regel ein Anzeichen für einen liquiden Markt.
Bilanzierungsgebiet(BG)Ein Bilanzierungsgebiet stellt ein messtechnisch abgegrenztes Netzgebiet eines Verteilnetzbetreibers dar.
BilanzgruppeAnaloger Begriff für Bilanzkreis in der Schweiz
Bilanzgruppenverantwortlicher(BGV)Analoger Begriff für Bilanzkreisverantwortlicher in der Schweiz
Bilanzkreis(BK)Innerhalb einer Regelzone / eines Marktgebiets die Zusammenfassung von Einspeise- und Entnahmestellen, die dem Zweck dient, Abweichungen zwischen Einspeisung und Entnahmen durch ihre Durchmischung zu minimieren und die Abwicklung von Handelstransaktionen zu ermöglichen.
BilanzkreiscodeEindeutiger Code, der vom Bilanzkreisnetzbetreiber nach den vom DVGW unter www.dvgw-sc.de veröffentlichten Regeln an einen Bilanzkreisverantwortlichen für einen Bilanzkreis vergeben wird. Dieser Code dient u. a. der Identifizierung der Nominierung oder ReNominierung von Gasmengen.
Bilanzkreiskoordinator(Biko)Die Rolle innerhalb des Rollenmodells des deutschen Strommarktes, die alle Daten zusammenführt, welche zur Ermittlung der Bilanzabweichungen aller Bilanzkreise einer Regelzone notwendig sind. Diese Rolle wird zurzeit von den Übertragungsnetzbetreibern wahrgenommen.
BilanzkreismanagementBilanzkreismanagement bezeichnet in der Energiewirtschaft die Bewirtschaftung von Bilanzkreisen auf dem Energiemarkt.
Bilanzkreisnetzbetreiber Marktgebietsverantwortlicher (BKN MGV)Marktgebietsaufspannender Netzbetreiber oder ein Dritter, bei dem ein Bilanzkreis gebildet werden kann und mit dem ein Bilanzkreisvertrag abgeschlossen wird.
Bilanzkreisverantwortlicher(BKV)Der Bilanzkreisverantwortliche hat dafür zu sorgen, dass die Bilanz zwischen der Strom- oder Gaslieferung und dem Verbrauch in seinem Bilanzkreis ausgeglichen ist.
Bill of Lading (Konnossement)Das Konnossement ist eine Urkunde, die bei Beförderung von Gütern über See vom Verfrachter bzw. Kapitän ausgestellt wird. Es stellt eine Empfangsbestätigung für die beschriebenen Güter dar und enthält ein Beförderungs- und Auslieferungsversprechen des Kapitäns an den Ablader (Shipper) oder an einen vom Ablader legitimierten Empfänger der Ware im Bestimmungshafen.
BlindleistungIn Wechselstromkreisen entsteht Blindleistung einerseits unabsichtlich und unvermeidbar aufgrund physikalischer Effekte. Sie kann aber auch bewusst bereitgestellt werden, um eine im Netz bereits vorhandene Phasenverschiebung zu neutralisieren. Zudem lässt sich mit ihrer Hilfe die Spannung in Wechselstromnetzen beeinflussen.
Blindleistungskompensation(Q)Lieferung von induktiver bzw. kapazitiver Blindleistung durch z. B. Kraftwerke mit Synchrongeneratoren, die zur Wahrung eines wirtschaftlichen und sicheren Netzbetriebs benötigt wird.
Blockgebot (auch: Blockkontrakt)Im Spotauktionshandel an der Börse Gebot für mehrere Stunden, das nur für alle Stunden angenommen oder abgelehnt werden kann. Beispiele sind Morning, High Noon, Night, Evening.
Blockheizkraftwerk(BHKW)Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) ist eine modular aufgebaute Anlage zur Gewinnung elektrischer Energie und Wärme, die vorzugsweise am Ort des Wärmeverbrauchs betrieben wird, aber auch Nutzwärme in ein Nahwärmenetz einspeisen kann. Sie nutzt dafür das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung oder Wärme-Kraft-Kopplung.
BonitätKreditwürdigkeit eines Geschäftspartners
BorrowingBei diesem Mechanismus ist es erlaubt, Emissionsberechtigungen eines zukünftigen Handelsjahres vorzuziehen, um den aktuellen Reduktionsverpflichtungen nachzukommen. Dieser Mechanismus kann z. B. innerhalb einer Periode des EU ETS angewandt werden, jedoch nicht periodenübergreifend.
BörseDie Börse ist ein organisierter Markt, an dem Angebot und Nachfrage für bestimmte Handelsprodukte (Aktien, Wertpapiere, Devisen, Edelmetalle, Energie, Emissionszertifikate) in der Regel anonymisiert zusammengeführt werden. Die über die Börse abgeschlossenen Geschäfte sind standardisiert, um ausreichende Liquidität zu gewährleisten. Darüber hinaus übernimmt die Börse als zentraler Kontrahent das Ausfallrisiko der Handelsteilnehmer. Hierfür müssen die Handelsteilnehmer bestimmte Kriterien (u. a. ausreichende Bonität) erfüllen und Sicherheiten bei der Börse hinterlegen.
Broker(= Vermittler, Makler) Der Broker vermittelt Geschäfte zwischen verschiedenen Handelsparteien und verlangt dafür eine mengenabhängige Maklerprovision.
BullishEin Markt wird als „bullish“ bezeichnet, wenn die Preise über einen längeren Zeitraum steigen oder steigende Preise erwartet werden. Der Bulle ist an der Börse das Symbol für steigende Kursverläufe. Gegenteil: Bearish.
Bundesnetzagentur(BNetzA)Oberste deutsche Regulierungsbehörde mit Sitz in Bonn
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft(BDEW)Interessenvertretung der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft
Call-OptionBedingtes Termingeschäft, d. h. der Optionskäufer hat das Recht (nicht die Verpflichtung), eine Ware am Ausübungstermin für den Ausübungspreis zu kaufen. Für dieses Recht ist in der Regel eine Optionsprämie an den Veräußerer der Option zu zahlen.
Cap and TradeDas Marktdesign eines Emissionshandelssystems, unter dem die absolute Anzahl an Emissionen limitiert ist (cap). Die Anzahl der handelsfähigen Emissionsberechtigungen, die den Marktteilnehmern zugeordnet werden, entspricht dieser Obergrenze und kann unter diesen frei gehandelt werden. Beispiele für dieses Prinzip sind das EU ETS, RGGI, Internationaler Emissionshandel und das geplante System in Australien.
Carbon Capture and Storage(CCS)Technologie zur Abscheidung und unterirdischen Speicherung von CO2. Umgesetzt soll sie den Austritt von Kohlendioxid großer Emittenten in die Atmosphäre verhindern. Als Einsatzbereich kommen insbesondere Kohlekraftwerke in Frage. Es sind zurzeit Modellkraftwerke in Planung. Im Emissions-Budget für 2013–2020 wurden 300 Millionen EUAs bereitgestellt, aus deren Verkaufserlös CCS-Pilotprojekte in der EU finanziert werden sollen (NER300).
Carbon Dioxide Equivalent(CO2e)Einheit, um das Erderwärmungspotenzial verschiedener Treibhausgase zu messen. CO2 ist dabei auf 1 normiert und alle anderen Gase werden dazu ins Verhältnis gesetzt.
Carbon Leakage(CL)Unter Carbon Leakage versteht man den Effekt, dass Unternehmen ihren Standort aus der Europäischen Union in Drittstaaten mit weniger strengen Klimaschutzauflagen verlegen, da sie aufgrund ihrer Verpflichtung, am europäischen Emissionshandel teilzunehmen, Wettbewerbsnachteile befürchten.
Certified Emission Reductions(CER)Handelbare Zertifikate aus Emissionsminderungsprojekten des CDM. Sie werden im Rahmen des Kyoto-Protokolls und der UN-Klimarahmenkonvention für erfolgreiche Emissionsminderungen ausgegeben. CERs können bis zu einem gewissen Anteil zur Erfüllung von Verpflichtungen unter dem Kyoto-Protokoll eingesetzt werden.
CH-15 Bilanzgruppe(CH-15-BG)Bilanzgruppe für die kurzfristige Abwicklung von Energielieferungen innerhalb der Schweiz.
ChiffreverfahrenIm Chiffreverfahren fordert der Anbieter auf Grund seiner Anzeige potentielle Bieter zur Abgabe eines Angebotes auf (sog. "invitatio ad offerendum"). Sämtliche abgegebenen Angebote der Bieter werden dem Anbieter nach Ablauf der Aufforderungsfrist von store-x zusammen mit den erforderlichen Daten des Bieters übermittelt. Ein rechtsverbindlicher Vertrag über die Kapazitätsrechte kommt im Chiffreverfahren nach Maßgabe der allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen erst in dem Zeitpunkt zustande, in dem die Mitteilung des Anbieters einem Bieter zugeht, dass er dessen Angebot annimmt.
Clean Dark Spread(CDS)Spanne zwischen Strompreis (Base/Peak) und Erzeugungskosten (Kohle, Emissionen) eines Kohlekraftwerks
Clean Development Mechanism(CDM)Der CDM („Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung“) ist in Artikel 12 des Kyoto-Protokolls festgehalten. Annex-B-Staaten können danach in Entwicklungsländern Projekte zur Emissionsminderung durchführen. Den Betrag der erreichten Reduktionen kann das finanzierende Land in der Verpflichtungsperiode zusätzlich emittieren oder sich als Emissionsguthaben gutschreiben lassen.
Clean Spark Spread(CSS)Spanne zwischen Strompreis (Base/Peak) und Erzeugungskosten (Gas, Emissionen) eines Gaskraftwerks
Clearing(= Saldierung) Das Clearing ermittelt die bilaterale Nettoschuld von Käufer und Verkäufer und ist ein wesentlicher Bestandteil des Börsenhandels. Bei geclearten Geschäften tritt das sogenannte Clearing-Haus als zentraler Kontrahent zwischen die Vertragspartner und gewährleistet die Erfüllung der Geschäfte. Die Absicherung der Geschäfte bzw. die Übernahme des Ausfallrisikos erfolgt durch das Hinterlegen von Sicherheiten (Margins) durch die Handelspartner.
CommodityAustauschbares wirtschaftliches Gut wie z. B. Brennstoffe oder Edelmetalle
ContangoEine vermeintlich normale Preissituation am Terminmarkt, in der langfristig terminierte Forward- bzw. Futuresverträge über dem Preis für kurzfristig terminierte Verträge bei gleichem Basiswert liegen. Diese resultiert aus Gesamtkosten der Lagerung eines Rohstoffs. Der umgekehrte Zustand wird Backwardation genannt.
ContractingPlanung, Ausführung, Finanzierung und ggf. Betreiben von Anlagen durch Dritte.
CounterpartyHandelspartner
Counter-Tradingbezeichnet einen länderübergreifenden Redispatch.
Daily Forward Curve(DFC)Die Daily Forward Curve bezeichnet die Prognose von Gaspreisen anhand von historischen Preisverläufen und aktuellen Settlements in tagesscharfer Auflösung (analog zur Tagesbilanzierung im deutschen Gasmarkt). Für den Strommarkt wird analog die HPFC als Preisprognose verwendet.
Dark Spread (auch: Dirty Dark Spread)Spanne zwischen Strompreis (Base/Peak) und Erzeugungskosten (Kohle) eines Kohlekraftwerks
Day-Ahead-MarktDer Handelsmarkt für den nächsten Liefertag. Die Handelsteilnehmer nutzen den Day-Ahead-Markt, um Beschaffung und Verkauf von Strommengen kurzfristig zu optimieren.
DekompositionsverfahrenVerfahren zur Lösung linearer und nicht linearer Optimierungsprobleme durch Zerlegung der Gesamtaufgabe in unabhängig voneinander lösbare Teilaufgaben. Anschließend iterative Lösung der Unteraufgaben mit Koordination der Unteraufgaben zum Erreichen des Gesamtoptimums.
Delta (Option)Erste Ableitung der Optionspreisformel nach dem Marktpreis. Gibt an, um wie viel Euro der Optionspreis steigt oder fällt, wenn der Wert des Underlying sich um einen Euro ändert.
Deltazeitreihe(DZR)Zeitreihe, die im Rahmen der MaBiS eingeführt wurde. Diese erfasst Bilanzierungsfehler des Netzbetreibers und vom Bilanzkreisverantwortlichen nicht akzeptierte Energiemengen, sodass der Saldo aus Aus- und Einspeisung in einem Netzgebiet null ergibt.
DerivatDerivate sind Wertpapiere, deren Bewertung von der Preisentwicklung eines zugrunde liegenden Wertpapiers oder Handelsgutes abgeleitet wird. Im Erfüllungszeitraum findet keine physische Lieferung, sondern ein finanzieller Ausgleich in Höhe des Basiswertes statt. Wichtige Derivate an den Energiemärkten sind u. a. Optionen, Futures und Swaps. Derivate können OTC oder börslich gehandelt werden und werden häufig als Hedginginstrumente verwendet.
Delivered ex Ship(DES)Geliefert ab Schiff (… benannter Bestimmungshafen). Pflichten des Verkäufers: Bereitstellung der Ware des Schiffes im Bestimmungshafen, Beschaffung der Dokumente, die dem Käufer die Warenübernahme vom Schiff ermöglichen, Regeln der Exportabfertigung. Pflichten des Käufers: Übernahme der Ware vom Schiff im Bestimmungshafen, Besorgen der Einfuhrbewilligung.
Deterministische Komponente Als sicher angenommener Teil einer Entwicklung (deterministisch = unter der Annahme der Vorherbestimmbarkeit)
DifferenzbilanzkreisIn diesem Bilanzkreis wird eine Restlastzeitreihe (DBA) bewirtschaftet. Die DBA weist zunächst die Abweichungen bei synthetischen Standardlastprofilen aus.
DirektvermarktungVerkauf von Strom aus erneuerbaren Energien direkt in den Markt. Anstatt der EEG-Umlage erhält der Anlagenbetreiber die Erlöse aus dem Spotmarkt. Zusätzlich erhält er die sogenannte Management-Prämie. Diese wird pauschal an Anlagenbetreiber gezahlt, um sie für Mehraufwand und Mehrrisiko zu entschädigen und einen Anreiz zur Marktintegration zu setzen, während die Differenz zwischen der bisherigen EEG-Abnahmevergütung und dem erzielten Marktpreis an der Strombörse bereits vollständig durch die Marktprämie ausgeglichen wird.
Deadweight Tonnage(DWT)bezeichnet die in metrischen Tonnen gemessene und unter der Annahme von Salzwasser im Sommer gemessene maximale Tragfähigkeit eines Schiffes.
ECOKurzform für Economizer, gemeint ist hier die Vorwärmung des Speisewasssers
EDIFACTStandard für elektronischen Datenaustausch
EEG-UmlageIm EEG ist geregelt, dass die garantierte Einspeisevergütung, also die Kosten, die aus der Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen entstehen über eine Umlage von Stromendverbrauchern getragen wird.
European Energy Exchange(EEX)Börse für Energie und energienahe Produkte, Leipzig
European Federation of Energy Traders(EFET)(= Vereinigung europäischer Energiehändler) Vereinigung von mehr als 100 europäischen Energiehandelsunternehmen aus 27 Ländern, mit dem Ziel, die Bedingungen des Energiehandels in Europa zu verbessern. Ein wesentliches Aufgabengebiet ist das Setzen von Standards beim Energiehandel im Rahmen der EFET-Rahmenverträge.
EFET-HändlerrahmenvertragHändlerrahmenverträge der EFET für den europäischen Strom- und Gashandel regeln die generellen, wesentlichen Rechte und Pflichten der Vertragsparteien und beinhalten als Leistungsgegenstand die Lieferung von Strom und Gas. Preis und Menge der konkreten Geschäfte werden nicht im Händlerrahmenvertrag festgelegt, sondern beim einzelnen Handelsgeschäft.
EFET-RahmenvertragDie von der EFET geschaffenen Händlerrahmenverträge für den europäischen Strom- und Gashandel bestimmen die grundsätzlichen Rechte und Pflichten der Vertragsparteien für die Lieferung von Strom und Gas.
EigenbedarfEnergie zur Deckung des Eigenverbrauchs einer Erzeugungseinheit.
EigengeschäftEigengeschäfte sind kapitalmarktrechtlich erlaubnisfreie Handelsgeschäfte, bei denen Händler außerbörsliche Geschäfte zur Absicherung der eigenen Risiken eingehen oder für Handelsgeschäfte ausschließlich das eigene Vermögen einsetzen. Gelegentlich wird das Eigengeschäft auch als Eigenhandel bezeichnet. Siehe Eigenhandel.
EigenhandelAls Eigenhandel wird der Handel bezeichnet, der im eigenen Namen und für eigene Rechnung erfolgt und nicht unmittelbar durch ein Kundengeschäft ausgelöst wird. Eigenhändler versuchen, durch Eingehen spekulativer Positionen und das Antizipieren zukünftiger Marktbewegungen Gewinne zu erzielen.
Einspeisemanagement(EisMan, EinsMan)Das Einspeisemanagement bezeichnet die zur Vermeidung von Netzüberlastungen vom Netzbetreiber vorgenommene Abregelung der Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien sowie KWK- und Grubengasanlagen. Die gesetzlichen Regelungen finden sich hierzu im EEG.
Elastische Nachfrage / Elastisches AngebotDie Nachfrage bzw. das Angebot ist elastisch, wenn es auf Preisänderungen reagiert.
Elektrizitäts-Versorgungsunternehmen(EVU)Ein Elektrizitäts-Versorgungsunternehmen beziehungsweise ein Stromversorgungsunternehmen ist ein Unternehmen, das Kunden mit Elektrizität versorgt. Ursprünglich wurden damit nur Unternehmen bezeichnet, die direkt den Endkunden beliefern und dafür auch ein Versorgungsnetz bereithalten. Mittlerweile umfasst der Begriff aber auch Unternehmen der gesamten Versorgungskette in der Elektrizitätswirtschaft von der Erzeugung über Handel, den Transport bis zur Verteilung.
Emission Reduction Unit(ERU)Handelbare Zertifikate aus Emissionsminderungsprojekten des JI. Sie werden im Rahmen des Kyoto-Protokolls und der UN-Klimarahmenkonvention für erfolgreiche Emissionsminderungen ausgegeben. ERUs können zur Erfüllung von Verpflichtungen unter dem Kyoto-Protokoll eingesetzt werden.
EmissionsberechtigungRechtlich definierte Einheit (EUAs, AAUs, RGAs, NZUs), die es dem Besitzer erlaubt, eine Tonne CO2e oder eine andere Einheit eines Treibhausgases zu emittieren. Im Europäischen Emissionshandelssystem wird diese Berechtigung auch European Union Allowance (EUA) genannt.
EmissionsfaktorHöhe der CO2-Emission, die durch die Produktion einer Energieeinheit emittiert wird (in t/MWh)
EnergiehandelBeschaffung und Vermarktung von Strom- und zunehmend auch Gasmengen sowie von Kohle und Öl zu Marktpreisen am Wholesale Market (Großhandelsmarkt). Dabei werden börslich und außerbörslich verschiedene Mengen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und auf der Basis unterschiedlicher Preiserwartungen gehandelt.
EnergiewendeUnter dem Begriff Energiewende werden alle Maßnahmen zur Transformation hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität zusammengefasst. In Deutschland wird auch der Ausstieg aus der Kernenergie zur Energiewende gezählt.
Energy-only-Markt(EOM)Im Energy-only-Markt werden Kraftwerksbetreiber ausschließlich die bereitgestellte Strommenge vergütet. Die Vorhaltung von Erzeugungskapazitäten wird dabei nicht berücksichtigt.
European Power Exchange(EPEX)Die European Power Exchange bietet den Marktplatz für den börslichen Spothandel (Day-Ahead und Intraday) in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz an. Die EPEX, mit Sitz in Paris, wurde 2008 durch den Zusammenschluss der Strom-Spotmärkte der französischen Powernext und der deutschen European Energy Exchange (EEX) gegründet.
Erneuerbare-Energien-Gesetz(EEG)Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien in Deutschland. Es regelt dessen vorrangige Einspeisung ins Stromnetz und garantiert den Erzeugern feste Einspeisevergütungen.
Erzeugungs-SpreadKennzahl zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit konventioneller Erzeugungsanlagen. Der Erzeugungs-Spread wird durch die Differenz des Strompreises und der Erzeugungskosten (Brennstoff- und CO2-Zertifikatskosten unter Berücksichtigung des Wirkungsgrades der Anlage) bestimmt. Die bekanntesten Erzeugungs-Spreads sind der Clean Dark Spread (Brennstoff: Steinkohle) und der Clean Spark Spread (Brennstoff: Erdgas). Durch die Bezeichnung „Clean“ wird die Berücksichtigung der CO2-Zertifikatskosten ausgedrückt (ohne Emissionskosten: Dirty Spread).
ErgänzungsenergieBegriff in der Schweiz für die Differenz zwischen dem gesamten Energiebezug eines Kunden und seinem Energiebezug nach Fahrplan.
Estimated Time of Arrival(ETA)Geschätzte Ankunftszeit (z. B. eines Seeschiffes im Bestimmungshafen)
European Market Infrastructure Regulation(EMIR)Mit EMIR wird eine EU-Verordnung zum außerbörslichen Handel mit Derivaten bezeichnet. Im Wesentlichen beinhaltet die Verordnung eine Clearlingpflicht, Anforderungen an das Risikomanagement und eine Meldepflicht für OTC-Derivat-Geschäfte.
European Union Allowance(EUA)Handelbare Emissionszertifikate im Europäischen Emissionshandelssystem. Zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen müssen Anlagenbetreiber diese Emissionsberechtigungen bei der nationalen Behörde löschen lassen. 1 EUA berechtigt zur Emittierung einer Tonne Kohlendioxid.
European Union Emissions Trading Scheme(EU ETS)Emissionshandelssystem innerhalb der Europäischen Union plus Norwegen, Island und Lichtenstein, das am 1. Januar 2005 begann. Das System basiert auf der Richtlinie 2003/87/EC, die am 25. Oktober 2003 in Kraft getreten ist. Momentan ist der Zeitraum bis 2020 terminiert, da das System in drei Handelsphasen unterteilt wurde (2005–2007, 2008–2012, 2013–2020).
FahrplanIn einem Fahrplan wird angegeben, wie viel elektrische Leistung in jeder Viertelstunde zwischen Bilanzkreisen regelzonenintern und -extern ausgetauscht wird.
Forecast Consumption(FC-Cons)Prognostizierter Verbrauch eines Bilanzkreisverantwortlichen, der im Fahrplan für den ÜNB angemeldet wird.
Forecast Production (FC-Prod)Prognostizierte Eigenproduktion eines Bilanzkreisverantwortlichen, der im Fahrplan für den ÜNB angemeldet wird.
FernwärmeBezeichnung für eine Wärmelieferung zur Versorgung von Gebäuden mit Heizung und Warmwasser. Der Transport der thermischen Energie erfolgt in einem wärmegedämmten Rohrsystem, das überwiegend erdverlegt ist, teilweise werden jedoch auch Freileitungen verwendet.
Fill-or-KillGebot, das nur vollständig angenommen oder abgelehnt werden kann (unteilbares Gebot)
Flexible Mechanismen (Kyoto-Mechanismen)Drei Instrumente, welche die Erfüllung der Verpflichtungen unter dem Kyoto-Protokoll unterstützen: Internationaler Emissionshandel, Joint Implementation (Minderungsprojekte in Industrieländern), Clean Development Mechanism (Minderungsprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern). Diese Instrumente erlauben es Annex-B-Staaten, ihre Verpflichtungen auch außerhalb ihrer nationalen Grenzen zu erfüllen.
Forward(Fwd)Ein Forward ist ein individuell aushandelbares Termingeschäft, das OTC (und nicht über die Börse) abgeschlossen und stets physisch erfüllt wird. Das Stellen von Sicherheiten muss individuell vereinbart werden, da kein zentrales Clearing wie an der Börse stattfindet.
Front OfficeDas Front Office bezeichnet den Teil der Börse sowie den Teil der Energiehandelsabteilungen der Marktteilnehmer, der für den Großhandel zuständig ist, dort erfolgt die eigentliche Transaktion durch die Handelspartner.
Fuel-Switch-LevelNiveau des CO2-Preises, bei dem (bei gegebenem Gas-Kohle-Spread) der Kraftwerksbetreiber indifferent ist, welchen Kraftwerkstyp (Gas- oder Kohlekraftwerk) er einsetzt (= Fuel-Switch-Level). Da der Berechnung unterschiedliche Annahmen bzgl. der Effizienz von Kraftwerken zugrunde liegen, ist die CO2-Preisangabe in Form einer Preisspanne sinnvoll (= Switch-Range). Ist die Switch-Range erreicht, ändert sich die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke (Merit Order). Die bei bisheriger Marktlage übliche Steinkohleverstromung würde graduell durch Gasverstromung ersetzt, d. h. das ineffizienteste Kohlekraftwerk weicht dem effizientesten Gaskraftwerk etc.
FundamentalanalyseSimulation von Strompreisen, bei der nur fundamentale Faktoren (wie z. B. Kraftwerksverfügbarkeiten, Wettereinflüsse, Brennstoffpreise) als Eingangsparameter zur Bestimmung von Angebot und Nachfrage verwendet werden. Die Fundamentalanalyse findet sowohl im Kurzfristbereich zur Handelsunterstützung beim Spothandel als auch bei der Bestimmung langfristiger Preisprognosen Anwendung.
FutureEin Future ist im Gegensatz zu einem Forward ein standardisiertes, in der Regel börslich gehandeltes Termingeschäft, das in erster Linie zur finanziellen Absicherung dient, aber auch im Erfüllungszeitraum physisch geliefert werden kann.
GABI GasDie Abkürzung GABi Gas steht für das Grundmodell für Ausgleichsleistungen und Bilanzierungsregeln im Gassektor. GABi Gas regelt neben dem Bilanzierungsverfahren, den Inhalt des Bilanzkreisvertrages und die Pflichten der Netzbetreiber im Hinblick auf Bilanzierung und Datenbereitstellung.
GaspoolGaspool ist neben NCG einer von zwei Marktgebietsverantwortlichen im deutschen Erdgasmarkt und zuständig für Nord- und Ostdeutschland.
GastagZeitraum von 06:00 Uhr eines Kalendertages bis 06:00 Uhr des folgenden Kalendertages
Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk(GuD)Ein Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk oder Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerk (kurz GuD-Kraftwerk) ist ein Kraftwerk, in dem die Prinzipien eines Gasturbinenkraftwerks und eines Dampfkraftwerks kombiniert werden. Eine Gasturbine dient dabei als Wärmequelle für einen nachgeschalteten Abhitzekessel, der wiederum als Dampferzeuger für die Dampfturbine wirkt.
Gaswirtschaftsjahr(GWJ)Das Gaswirtschaftsjahr ist der Zeitraum vom 1. Oktober, 6:00 Uhr eines Kalenderjahres bis zum 1. Oktober, 6:00 Uhr des folgenden Kalenderjahres (z. B. vom 1. Oktober 2001 bis zum 1. Oktober 2002). Diese Regelung hat sich in der Gaswirtschaft etabliert, da zum 1. Oktober traditionell die Heizperiode mit erhöhtem Erdgasbedarf beginnt. Im Handel verliert sie neuerdings zugunsten von Cal-Produkten aber an Bedeutung.
GebotspreisverfahrenIm Regelenergiemarkt angewendetes Verfahren zur Vergabe der negativen/positiven vorzuhaltenden Reserveleistung. Beim Gebotspreisverfahren erhält jedes berücksichtigte Gebot eine Vergütung in Höhe des eigenen Gebotspreises („Pay as Bid“).
GeLi GasDie Abkürzung GeLi Gas steht für die Festlegung der BNetzA zum Geschäftsprozess des Lieferantenwechsels im Bereich Gas.
Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Elektrizität(GPKE)Geschäftsprozess, der 2006 von der BNetzA eingeführt wurde, um die Geschäftsprozesse und Formate bei der Abwicklung der Versorgung von Kunden mit Strom zu standartisieren.
Geschlossene PositionEine Position wird als geschlossen bezeichnet, wenn die vormals Offene Position durch ein entsprechendes Gegengeschäft glattgestellt wurde.
Gesicherte LeistungGesichert zur Verfügung stehende Kraftwerksleistung, variiert je nach Technologie
GrandfatheringMechanismus zur Zuteilung von Emissionsberechtigungen an Unternehmen oder juristische Personen. Dabei werden die Emissionsberechtigungen auf Basis historischer Emissionen (meist kostenlos) ausgegeben. Grandfathering wurde hauptsächlich in der 1. und 2. Handelsperiode des EU ETS angewandt.
GrenzkostenKosten zur Produktion einer zusätzlichen Einheit (z. B. 1 MWh Strom)
GroßhandelsmarktGütermärkte unterteilen sich meist in Großhandels- und Einzelhandelsmärkte (Wholesale und Retail Market). Üblicherweise liefern Produzenten nicht direkt an den Endkunden, sondern an Großhändler und Börsen sowie Einzelhändler und Großhandelsakteure. Auf Großhandelsmärkten wechseln die Güter den Eigentümer, bleiben aber in der Regel in nachgelagerten Märkten. Einzelhändler und Endverbraucher sind hingegen die Akteure des Retail-Marktes, von dem die Endverbraucher das Gut dauerhaft dem Markt entziehen.
GrundsatzplanungErmittlung langfristig kostengünstiger Netzstrukturen mit einem in hinreichender Ferne – üblicherweise 40 bis 60 Jahre – liegenden Planungshorizont unter weitgehender Vernachlässigung des Anlagenbestands („Grüne-Wiese-Planung“)
GrünstromzertifikatGrünstromzertifikate sind ein offizieller Herkunftsnachweis für Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Sie sind unabhängig vom erzeugten Strom handelbar.
HaltedauerDauer (in der Regel Tage), die zum Schließen von Positionen erforderlich ist bzw. bei der Risikoberechnung angesetzt wird
HändlerEin Händler handelt (kauft/verkauft) die in der Energiewirtschaft relevanten Güter (Strom, Erdgas, Kohle, CO2 etc.). Dies kann in Funktion eines Marktzugangs (auch für Dritte) erfolgen oder im Sinne des Eigenhandels zur reinen Gewinnerzielung.
Hedgegeschäft (auch: Hedging)Finanzgeschäft zur Absicherung einer Position gegen Risiken wie beispielsweise Wechselkursschwankungen oder Veränderungen in den Rohstoffpreisen
HedgingHedging bezeichnet im Wesentlichen Absicherungsgeschäfte und dient zur Risikominderung ungünstiger Marktentwicklungen durch das Abschließen von Handelsgeschäften. Als Standardprodukte zur Absicherung zählen Future, Forward oder auch SWAP-Geschäfte.
Heuristischer LösungsalgorithmusAls Heuristik bezeichnet man eine problemspezifische Funktion, die im Sinne einer Faustregel für einen Zustand n „schätzt“, wie gut dieser Zustand in Bezug auf das Problem ist (z. B. Erfahrungswissen, Analogien).
H-GasGas mit hohem Wobbe-Index (~Brennwert)
Historische SimulationRisikoberechnung über simulatives Fortschreiben historisch beobachteter Einflussgrößen (in der Regel Renditen und Mengenabweichungen) in die Zukunft
Hochspannungsgleichstrom-Übertragung(HGÜ)Verfahren/Technologie zur Übertragung großer elektrischer Leistungen bei sehr hohen Spannungen (100–1.000 kV) über sehr große Distanzen. Oft zu finden ist das Kürzel HVDC, was von der englischen Bezeichnung „High Voltage Direct Current“ stammt. Für die Einspeisung ins herkömmliche Stromnetz sind Hochspannungswechselrichter erforderlich, die Umwandlung geschieht in Umspann- und Schaltanlagen (Terminals).
Hourly Price Forward Curve(HPFC)Stundenterminpreis-Kurve: basierend auf aktuellen Termin- und historischen Spotpreisen für Strom; Hilfsmittel, um die Entwicklung von Preisen (deterministisch) abzuschätzen. Grundlage für das Risikomanagement und für die Fahrplanbepreisungen. Für den Gasmarkt wird analog die DFC als Preisprognose verwendet.
Implizite AuktionGleichzeitige Vergabe von Übertragungskapazität sowie Zuteilung der Erzeugungsgebote durch eine Börse oder ein Auktionsbüro.
Implizite VolatilitätHöhe der Volatilität, die man in der Formel für die Berechnung einer Optionsprämie annehmen muss, damit der berechnete Optionspreis dem aktuell im Markt gehandelten Optionspreis entspricht.
IndexierungIndexierung bezeichnet die preisliche Bindung eines Gutes an ein Referenzgut. Beispielsweise wird auch heute noch eine Vielzahl der langfristigen Gasverträge an Heizöl- oder - im Kraftwerkssektor häufig verbreitet -an Steinkohle-Preise gebunden.
Inelastische Nachfrage / Inelastisches AngebotNachfrage bzw. Angebot ist inelastisch, wenn es wenig auf Preisänderungen reagiert.
Intergovernmental Panel on Climate Change(IPCC)Diese 1988 vom United Nations Environmental Programme und der World Metereological Organization eingerichtete internationale Organisation besteht aus weltweit führenden Wissenschaftlern und soll die Regierungen der Vertragsstaaten des UNFCCC bei der Klimapolitik beraten. Der IPCC gibt periodisch Sachstandsberichte zum Klimawandel und spezielle Berichte z. B. zum Senkenbereich oder Leitlinien zur Erstellung von Inventaren heraus (www.ipcc.ch).
Intraday-MarktIm Intraday-Handel werden Stromkontrakte mit Lieferung am selben oder folgenden Tag nach Börsenschluss gehandelt. Börsenteilnehmer kaufen aufgrund eines erhöhten Bedarfs zusätzliche Strommengen ein oder veräußern überschüssige Mengen.
Ist-Absatz-Ganglinie(IAGL)Summe über alle Ganglinien des Kunden, die den Verbrauch beziehungsweise die Erzeugung des Kunden gemäß der Festlegung einheitlicher Geschäftsprozesse und Datenformate zur Abwicklung der Belieferung von Kunden mit Elektrizität der Bundesnetzagentur darstellen. Zeitreihe im Rahmen der Abrechnung eines offenen Vertrages.
Joint Implementation(JI)Internationaler Standard zur Durchführung von Emissionsminderungsprojekten in Industrieländern (Annex-B-Staaten) unter dem Kyoto-Protokoll
JoJo-Flex-StrategieHandelsstrategie, die in Trendmärkten Gewinne erwirtschaftet
KapitalkostenKosten, die für die Bereitstellung von Fremd- oder Eigenkapital für Investitionen entstehen.
KaskadierungKaskadierung bezeichnet die Ersetzung längerfristiger Kontrakte an der Börse (Futures) am letzten Handelstag vor Beginn der Lieferperiode durch gleichwertige Kontrakte mit kürzerer Laufzeit. Beispielsweise wird ein Quartal am letzten Handelstag durch die entsprechenden Monatskontrakte ersetzt.
Kaufmännische ZerlegungZerlegungsmethode, die eine Offene Position (in der Regel einen Lastgang) mit Hilfe der HPFC in Standardprodukte Baseload und Peakload zerlegt. Dabei werden über die Laufzeit ein mengenmäßiger und ein wertmäßiger Hedge erzielt.
KMUAbkürzung für „kleine und mittlere/mittelständische Unternehmen“
Kontinuierlicher HandelHandelsform, bei der fortlaufend ein Markptreis für das handelbare Gut festgestellt wird. Eine Alternative hierzu ist der Auktionshandel.
KonTraGGesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich
KontrahentenrisikoRisiko im Fall des Ausfalls des Handelspartners. Das Kontrahentenrisiko besteht aus dem Vorleistungs- und Wiedereindeckungs-/Wiederabsatzrisiko.
KonvertierungsentgeltEntgelt, das den unterschiedlichen Energiegehalt zwischen H-Gas und L-Gas ausgleicht und von den Gashändlern bei der Ein- oder Ausspeisung zwischen den Netzgebieten unterschiedlicher Gasqualität erhoben wird.
Korridor-StrategieHandelsstrategie, die im Seitwärtsmarkt Gewinne erwirtschaftet
Kostendeckende Einspeisevergütung(KEV)Förderinstrument für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in der Schweiz.
Kostenneutrale ZerlegungZerlegungsmethode, die eine Offene Position (in der Regel einen Lastgang) mit Hilfe der HPFC in Standardprodukte Baseload und Peakload zerlegt. Dabei wird über die Laufzeit kein mengenmäßiger, dafür aber ein wertmäßiger Hedge (getrennt nach Off-Peak und Peak) erzielt.
Kraft-Wärme-Kopplung(KWK)Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) bzw. Wärme-Kraft-Kopplung (WKK) ist die gleichzeitige Gewinnung von mechanischer Energie, die in der Regel unmittelbar in elektrischen Strom umgewandelt wird, und nutzbarer Wärme für Heizzwecke (Fernwärme oder Nahwärme) oder für Produktionsprozesse (Prozesswärme) in einem Heizkraftwerk.
Kraftwerksausfall-RisikoRisiko, dass ein Kraftwerksblock teilweise bzw. vollständig ausfällt und der bereits vermarktete Strom anderweitig – meist zu höheren Preisen – wiederbeschafft werden muss.
KraftwerksscheibeAnteil eines Kraftwerks, der unter ähnlichen vertraglichen und technischen Randbedingungen wie das tatsächliche Kraftwerk modelliert wird.
Kreditrisiko(auch: Kredit-Exposure)Risiko, dass bei Ausfall eines Geschäftspartners (z. B. durch Insolvenz) ein Schaden entsteht. Zum Kreditrisiko zählen das Vorleistungs- und das Terminrisiko. Das Vorleistungsrisiko berücksichtigt den Wert der gelieferten, aber noch nicht bezahlten Energiemengen. Das Terminrisiko (Wiedereindeckungs- bzw. Wiederabsatzrisiko) stellt die Differenz zwischen Marktwert und Vertragswert der noch nicht gelieferten Energiemengen dar.
Kuppelkapazität (Strom)Übertragungskapazität zwischen zwei Marktgebieten
KWK-ZuschlagHocheffiziente fabrikneue oder modernisierte KWK-Anlagen werden nach dem KWKG gefördert, indem über einen bestimmten Zeitraum der sogenannte KWK-Zuschlag für den in der Anlage erzeugten Strom gezahlt wird. Die Auszahlung erfolgt vom Stromnetzbetreiber, an dessen Netz die Anlage angeschlossen wurde. Voraussetzung für die Auszahlung ist die Zulassung der KWK-Anlage durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).
Kyoto-ProtokollDas Kyoto-Protokoll ist auf der COP-3 in Kyoto (Japan) im Dezember 1997 entstanden und trat am 16. Februar 2005 in Kraft. Es verpflichtet Annex-B-Staaten bis 2012 zu einer Minderung ihrer Emissionen gegenüber 1990 um 5,2 Prozent. Das spezifische Minderungsziel für die Europäische Union ist 8 Prozent. Die Erfüllung dieses Ziels kann teilweise auch durch Nutzung von Gutschriften aus internationalen Minderungsprojekten erfolgen (siehe hierzu auch JI/CDM bzw. ERU/CER). Die folgenden Treibhausgase werden durch das Kyoto-Protokoll geregelt: Kohlendioxid (CO2) Methan (CH4), Distickstoffoxid (N2O), teilhalogenierte Kohlenwasserstoffe (HFKW), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW), Schwefelhexafluorid (SF6).
Lagrange-RelaxationVerfahren aus der nicht linearen Optimierung, das auch auf die ganzzahlige Optimierung angewandt werden kann. Die Grundidee besteht darin, „störende“ Ungleichungen zu relaxieren, d. h. es werden zusätzliche Variablen in die Ungleichungen gesetzt, die dann in der Zielfunktion bestraft werden, sodass das verbleibende Problem (mit Ganzzahligkeitsbedingungen) leicht lösbar ist. Ein typisches Beispiel für die Lagrange-Relaxation ist die Optimierung eines hydrothermischen Kraftwerksparks.
LastgangLastgänge beinhalten Leistungswerte, typischerweise im Stunden- bzw. Viertelstundenraster, für einen bestimmten Zeitraum.
Laytime (Liegezeit)bezeichnet die für die Löschung einer Frachtsendung veranschlagte Zeit in vollen oder angebrochenen Stunden, die durch Dividieren des (in metrischen Tonnen ausgedrückten) Ladegewichts der Frachtladung durch die relevante (in metrischen Tonnen pro Stunde ausgedrückte) Frachtumschlagsrate errechnet wird.
Leistungspreis(LP)Leistungsabhängiger Preis in €/MW, der die fixen Kosten des Kraftwerks bzw. der Kraftwerksscheibe im Abrechnungszeitraum (z. B. einem Jahr) darstellt.
L-GasGas mit niedrigem Wobbe-Index (~Brennwert)
LieferperiodeLieferzeitraum für Strom- und Gas-Forwards und -Futures. Zu den Besonderheiten von Strom- und Gashandelsverträgen gehört, dass keine Lieferzeitpunkte, sondern Lieferperioden vereinbart werden. Typische Lieferperioden sind Monate (Month-Futures), Quartale (Quarter-Futures) und Jahre (Year-Futures). Bei Erdgas kommen Seasons hinzu.
LiquiditätDie Liquidität drückt aus, wie viel Kauf- und Verkaufsinteresse in einem Markt vorhanden ist bzw. wie viele Handelsgeschäfte getätigt werden. Je liquider ein Produkt bzw. ein Markt ist, desto höher sind die Handelsvolumen und desto geringer die Spanne zwischen Bid- und Ask-Preis.
LiquiditätsrisikoRisiko, dass liquide Mittel zur Durchführung von Geschäften nicht ausreichend bemessen sind
Liquidity-at-Risk-Berechnung(LAR-Berechnung)Berechnung der Änderung der liquiden Mittel, die mit einer festzulegenden Wahrscheinlichkeit innerhalb einer vorgegebenen Haltedauer nicht überschritten werden
Liquified Natural Gas (LNG)Verflüssigtes Erdgas, welches insbesondere zum Transport über weite Entfernungen per Schiff und zur Speicherung eingesetzt wird.
Location SpreadDifferenz zwischen zwei Preisen für das gleiche Produkt in unterschiedlichen Marktgebieten
Long-PositionEin Marktteilnehmer mit einer Long-Position hat aktuell ein Handelsgut in seinem Portfolio und profitiert von steigenden Preisen. Eine natürliche Long-Position (an Strom) besitzen z. B. Eigentümer einer Kraftwerksscheibe. Gegenteil: Short Position.
Lookback-OptionOption, die dem Investor das Recht gibt, einen Basiswert zum niedrigsten Preis während der Optionslaufzeit zu beziehen.
LStress-TestBerechnung der Änderung der liquiden Mittel im Extremfall (Worst Case) innerhalb einer vorgegebenen Haltedauer
Make or BuyEine Make-or-Buy-Entscheidung gibt vor, ob eine Leistung selbst erbracht (Make) oder fremd bezogen (Buy) werden soll. Eine typische Make-or-Buy-Entscheidung für Kraftwerksbesitzer bzw. Händler stellt die Frage dar, ob eine bereits vorher verkaufte Strommenge (Forward) täglich selbst erzeugt (Make) oder am Day-Ahead-Spotmarkt eingekauft wird (Buy).
MaRiskMindestanforderungen an das Risikomanagement von Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten; wird auch als Benchmark für Risikomanagement im Energiehandel genutzt
Mark-to-MarketDie Bewertung eines Produktes oder eines Portfolios anhand aktueller Marktpreise.
Marker CrudeÖl-Referenzwert für Indizes: Ölsorte mit hoher Handelsliquidität (z. B. Brent)
Market CouplingKopplung der Spotmärkte mehrerer Marktgebiete, um die vorhandenen Übertragungskapazitäten wohlfahrtsoptimal auszunutzen. Das Market Coupling wird anhand von impliziten Auktionen abgewickelt, bei denen die Vergabe der Übertragungskapazität mit dem entsprechenden Handelsgeschäft einhergeht.
Market Coupling / Market SplittingKopplung verschiedener Marktgebiete und Vergabe der Kapazität mittels einer impliziten integrierten Auktion
MarktgebietEin Marktgebiet ist eine Verknüpfung verschiedener, über Netzkopplungspunkte miteinander verbundener Teilnetze, in denen ein Transportkunde Erdgas oder Strom flexibel ein- und ausspeisen kann.
Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom(MaBiS)Marktprozess, der 2011 von der BNetzA eingeführt wurde. Die MaBiS ist der Nachfolger der DuM (Datenaustausch und Mengenbilanzierung) und regelt die Prozesse innerhalb der Bilanzkreisabrechnung und den Datenaustausch.
MarktrisikoRisiko, dass durch Wertänderungen von Positionen, Mengenabweichungen von Prognosen, Kapazitätsausfälle oder aufgrund von Marktilliquidität nicht schließbarer Positionen Verluste entstehen
Marktzugang (Market Access)Handelsunternehmen bieten Unternehmen, die aufgrund ihrer Größe und Bonität nicht genügend Handelspartner finden bzw. nicht zum Börsenhandel zugelassen würden, die Möglichkeit, gegen Zahlung einer entsprechenden Gebühr Handelsgeschäfte über den eigenen Marktzugang durchzuführen.
MCP (Market Clearing Price)Preis, zu dem beim Auktionshandel an einer Börse der Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage erfolgt, üblicherweise der Meistausführungspreis (höchstes Ordervolumen bei geringstem Nachfrageüberhang). Dieser Preis wird kurz auch als Marktpreis bezeichnet.
MengenrisikoRisiko, dass sich Mengen (z. B. Kraftwerksausfälle, Kundenabsätze, …) (ungünstig) verändern und dadurch Verluste entstehen können
Merit OrderDie Merit Order ist ein weit verbreitetes System zur Modellierung des Angebots am Strommarkt, bei dem die Kraftwerke aufsteigend anhand ihrer Grenzkosten sortiert werden.
Middle OfficeBereich in einem Handelsunternehmen, der durch die Übernahme einer Vielzahl von Aufgaben die Handelsaktivitäten unterstützt. Teil des Middle Office ist z. B. das Risikocontrolling, die Vertragsverwaltung, Compliance sowie die Bereitstellung von Systemen und Werkzeugen für den Handel.
Minutenreserve(MR)Die Minutenreserve – auch Tertiärregelung genannt – dient der Ablösung sowie Unterstützung der Sekundärregelreserve. Es wird nach positiver und negativer Minutenreserve unterschieden. Eine Präqualifikationsanforderung für Minutenreserve ist, dass die Kraftwerke mindestens 2 Prozent ihrer Nennleistung je Minute an- bzw. abfahren können. Für die Bereitstellung positiver Minutenreserve müssen Kraftwerksblöcke – sofern sie nicht schnellstartbar sind – schon vorab unter Teillast betrieben werden. Damit sind die meisten Großkraftwerke heute technisch in der Lage, positive wie auch negative Minutenreserve anzubieten. Minutenreserve muss definitionsgemäß nach telefonischer Anforderung durch den Übertragungsnetzbetreiber innerhalb von welcher Zeit??? für eine volle Stunde verfügbar sein.
MomentanreserveDa die ausgefallene Turbinenleistung nicht plötzlich ersetzt werden kann, muss das Leistungsdefizit zwischen Last und mechanischer Antriebsleistung aus der kinetischen Energie der rotierenden Massen gedeckt werden. Deren Drehzahl und damit die Frequenz sinken innerhalb weniger Sekunden nach Störungseintritt schnell ab. Das Leistungsdefizit verteilt sich spontan im Verhältnis der rotierenden Massen auf alle im Verbund zusammengeschlossenen Generatoren und Motoren. Diese Momentanreserve ist damit ausschließlich von der Größe des Verbundsystems und der sich darin befindenden rotierenden Massen bestimmt.
MonitoringDas Verfahren der Überwachung und Ermittlung der CO2-Emissionen. Diese Prozesse sind zusammen mit der jährlichen Emissionsberichterstattung die wichtigsten Bausteine des Emissionshandelssystems. Die ermittelten CO2-Emissionen einer emissionshandelspflichtigen Anlage für das abgelaufene Kalenderjahr sind die Grundlage für die „Abrechnung“, also die Abgabe der Emissionsberechtigungen für das betreffende Jahr.
Monte-Carlo Simulation Simulationsverfahren mit sehr vielen Berechnungen von (voneinander unabhängigen) deterministischen Entwicklungspfaden und Auswertung der sich daraus ergebenden Verteilungsfunktion
MSCONSZählwerte nach EDIFACT-Format
Multi-Shaft-AnlageMehrwellenanlage, d. h. die Gasturbine und die Dampfturbine sind auf unterschiedlichen Wellen angeordnet. Im Gegensatz dazu sind bei einer Einwellenanlage (Single-Shaft-Anlage) Gasturbine und Dampfturbine auf einer gemeinsamen Welle angeordnet.
NetConnect Germany(NCG)NetConnect Germany ist neben Gaspool einer von zwei Marktgebietsverantwortlichen im deutschen Erdgasmarkt und zuständig für West- und Süddeutschland.
Net Transfer Capacity(NTC)Die Vergabe von Übertragungskapazität mittels NTC ist der heute übliche Ansatz und steht im Gegensatz zur komplexen flussbasierten Vergabe der Übertragungskapazität mittels PTDF. Im Gegensatz zum PTDF-Ansatz wird bei einem NTC-Ansatz lediglich der Austausch zwischen zwei Marktgebieten begrenzt, wobei Wechselwirkungen mit anderen Marktgebieten vernachlässigt werden.
Netzkopplungspunkt (Erdgas)Verbindungspunkt zwischen den Gasnetzen zweier Marktgebiete
Netzpuffer (Erdgas)Speichermöglichkeit von Erdgas durch Entnahme oder Einspeisung von Gasmengen aus dem Ferngasnetz innerhalb eines zulässigen Druckbandes
NominierungAnmeldung der Fahrpläne je Bilanzkreis gegenüber dem Bilanzkreiskoordinator (Strom) bzw. Marktgebietsverantwortlichen (Gas)
NordpoolEnergiebörse für die skandinavischen Länder mit Sitz in Oslo
Net Transfer Capacity (Strom)(NTC )Zum Handel freigegebene Austauschkapazität zwischen zwei Marktgebieten
Offene PositionEine offene Position ist eine Long- oder Short-Position, die bisher nicht durch ein entsprechendes Gegengeschäft glattgestellt wurde. Nach der Glattstellung spricht man von einer geschlossenen Position.
OffpeakStromprodukt: Blöcke mit konstanter Leistung, Montag bis Freitag von 0:00 Uhr bis 8:00 Uhr und von 20:00 Uhr bis 24:00 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 0:00 Uhr bis 24:00 Uhr
Off-PeakAls Off-Peak werden alle Stunden außerhalb des Peak-Bereichs bezeichnet, also außerhalb der Zeit 8–20 Uhr an Werktagen. Die Off-Peak-Stunden umfassen somit die Zeiten schwacher Stromnachfrage.
OligopolMarkt mit nur wenigen Verkäufern oder Käufern
Oper./sonstige RisikenAlle Risiken, die nicht Markt- oder Kreditrisiko sind; insbesondere operationelle Risiken, wie z. B. das Risiko, dass Prozesse oder Systeme fehlerhaft sind bzw. fehlerhaft durchlaufen werden
OrderDie Order bezeichnet den Auftrag eines Kunden, ein handelbares Gut zu kaufen oder zu verkaufen.
Over the Counter(OTC)(Über den Ladentisch) Bilateraler Handel, der nicht an einer Börse stattfindet
Pay as Bidsiehe Gebotspreisverfahren
PeakStromprodukt: Blöcke mit konstanter Leistung, Montag bis Freitag jeweils von 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr
Peak Load PricingPreissetzung, bei der die Kosten der Kapazität auf die Nachfrager der Spitzenlastperiode umgelegt werden
PerformanceOberbegriff zur Messung der Qualität des Portfoliomanagements/Handels bei Trianel
Physikalische ZerlegungZerlegungsmethode, die eine Offene Position (in der Regel einen Lastgang) ohne Hilfe der HPFC in Standardprodukte Baseload und Peakload zerlegt. Dabei wird über die Laufzeit ein mengenmäßiger, dafür aber kein wertmäßiger Hedge erzielt.
Physikalischer StromflussDer physikalische Stromfluss stellt sich auf Grundlage der Netztopologie und der Einspeisungen im Netz ein. Obwohl er stark vom vertraglichen Handelsfluss abhängt, kann er gerade in eng vermaschten Systemen aufgrund von Ringflüssen im System deutlich abweichen.
Physischer StromhandelBei Geschäften im physischen Stromhandel erfolgt ein tatsächlicher Leistungsaustausch. Es wird eine bestimmte Menge Energie zu einem definierten Preis innerhalb eines festen Zeitraums gehandelt und geliefert.
PortfolioAls Portfolio wird die Zusammenfassung mehrerer Vermögenspositionen bezeichnet.
Portfoliomanagement(PM)Unter Portfoliomanagement versteht man die Zusammenstellung und Verwaltung eines Portfolios, d. h. eines Bestands an Investitionen im Sinne der mit dem Investor vereinbarten Anlagekriterien, insbesondere durch Käufe und Verkäufe mit Blick auf die erwarteten Marktentwicklungen.
PositionMenge oder Wert, die/der ein Risiko begründet, z.B. Differenz zwischen Ein- und Verkaufsmenge
Power Purchase Agreement(PPA)Strombezugsvertrag, der insbesondere den Strombezug aus einem Kraftwerk abbildet.
Power Transfer Distribution Factors(PTDF)Die PTDF bezeichnen den Zusammenhang zwischen einem Handelsfluss und einem physikalischen Fluss auf einer Leitung. So würde ein PTDF von 20 Prozent aussagen, dass 20 Prozent des Handelsflusses auf diesem physikalischen Leitungselement fließt.
PreisrisikoRisiko, dass sich bei Vorhandensein offener Positionen Preise (ungünstig) verändern und folglich Verluste entstehen.
Price Forward Curve(PFC)Die Price Forward Curve bildet den vom Markt – meist in stündlicher Auflösung (siehe auch Hourly Price Forward Curve, HPFC) – erwarteten Verlauf der Strompreise ab. Die HPFC basiert auf einer Kandidatenkurve, die für jeden Tag eine stundenscharfe, aus historischen Preisen ermittelte Struktur ermittelt, und einer Skalierung dieser Kandidatenkurve an den aktuellen Preisen gehandelter Terminprodukte. Die HPFC reicht meist mehrere Jahre in die Zukunft und wird zur Preisbestimmung und Risikoabschätzung offener Positionen und strukturierter Produkte verwendet.
Primärenergiemengen-BedingungVertragliche oder technische Restriktionen für Mindest- oder Maximalmengen an Primärenergieträgern (z. B. Take-or-Pay-Verträge, maximale Förderleistung eines Bergbaus)
PrimärenergienEnergiequellen, die natürlich vorkommen, z. B. Gas, Erdöl, Kohle.
Primärhandel (Erdgas)Erstmaliger Verkauf oder Versteigerung von Transport- oder Speicherkapazitäten
Primärmarkt (Primary Market)Zertifikatehandel, bei dem der Verkäufer der Erzeuger des Angebots ist und das Produkt nicht mehr als eine Handelstransaktion durchläuft.
PrimärregelreserveDie Primärregelung dient dazu, Ungleichgewichte zwischen dem physikalischen Leistungsangebot und der Leistungsnachfrage im gesamten europäischen Verbundnetz auszugleichen, mit dem Ziel der Wiederherstellung einer stabilen Netzfrequenz. Sie muss innerhalb von 30 Sekunden vollständig abrufbar sein.
Profit-at-Risk-Berechnung(PaR-Berechnung)Berechnung des Verlustes aus einer Position / einem Portfolio, der mit einer festzulegenden Wahrscheinlichkeit innerhalb der Erfüllungsperiode von Lieferungen nicht überschritten wird.
Put-OptionBedingtes Termingeschäft, d. h. der Optionskäufer hat das Recht (nicht die Verpflichtung), eine Ware am Ausübungstermin für den Ausübungspreis zu verkaufen. Für dieses Recht ist in der Regel eine Optionsprämie an den Veräußerer der Option zu zahlen.
RealoptionDer optionale Strombezug aus Kraftwerken wird in der Theorie als Realoption bezeichnet. Kraftwerksbetreiber können sich entscheiden, den benötigten Strom selbst zu erzeugen oder, sofern der Strompreis unter den Grenzkosten des Kraftwerks liegt, ihn am Markt einzukaufen und das Kraftwerk auszuschalten. Die Grenzkosten des Kraftwerks stellen dabei den Strike-Preis der Option dar, die Fixkosten des Kraftwerks die Optionsprämie.
RedispatchNachträglicher Eingriff des Übertragungsnetzbetreibers in den Kraftwerkseinsatz mit dem Ziel der Sicherstellung eines stabilen und (n-1)-sicheren Netzbetriebs
Regel-Bilanzgruppe(Regel-BG)Bilanzgruppe für die kurzfristige Abwicklung von Regelenergie innerhalb der Regelzone Schweiz und zu den benachbarten Regelzonen.
RegelenergieEin ständiges Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -abnahme ist eine wichtige Voraussetzung für einen stabilen und zuverlässigen Netzbetrieb. Um den Kunden eine ausreichend zuverlässige Stromversorgung zu gewährleisten, halten die ÜNB Regelleistung vor. Ein Bedarf an Regelenergie entsteht, sobald die Summe der aktuellen Kraftwerkseinspeisungen von der aktuellen Abnahme abweicht. Abweichungen können einerseits abnahmeseitig bedingt sein (z. B. meteorologische Einflüsse, Fehler in der täglichen Bedarfsprognose) sowie andererseits auf der Erzeugungsseite entstehen (z. B. Kraftwerksausfälle). Gemäß den Anforderungen im europäischen Verbundnetz der UCTE (Union for the Coordination of Transmission of Electricity) beschaffen die deutschen ÜNB Primär-, Sekundär- und Minutenreserve.
RegelgasGas, das die Netzbetreiber zum Ausgleich unerwarteter Einspeise- bzw. Entnahmeschwankungen benötigen.
RegelzoneVersorgungsgebiet, für dessen Primär-, Sekundär- und Minutenreserve ein Übertragungsnetzbetreiber verantwortlich ist.
Regelzonenübergreifender einheitlicher Ausgleichsenergiepreis(reBAP)Die Ausgleichsenergiepreise für den Ausgleich der Bilanzkreisabweichungen werden auf Viertelstunden-Basis berechnet. Seit 1. Juni 2010 gibt es deutschlandweit einen einheitlichen Ausgleichsenergiepreis .
Regulation on Whole Sale Energy Market Integrity and Transparency(REMIT)REMIT ist eine Verordnung über die Integrität und Transparenz des europäischen Energiegroßhandelsmarkts. Durch REMIT sollen Insiderhandel und Marktmanipulationen bekämpft und so für mehr Transparenz und Stabilität auf den europäischen Energiemärkte gesorgt werden.
ReserveleistungLeistung, die Kraftwerksbetreiber den Netzbetreibern zum Ausgleich unerwarteter Einspeise- bzw. Entnahmeschwankungen im Netz zur Verfügung stellen (siehe Primär-, Sekundär-, Minutenreserve).
ResiduallastDie in einem Elektrizitätsnetz nachgefragte Leistung (Last) abzüglich eines Anteils fluktuierender Einspeisung aus nicht steuerbaren Kraftwerken wie z. B. Windkraft, d. h. die Residuallast stellt die Restnachfrage dar, die von regelbaren Kraftwerken gedeckt werden muss.
ResiduenNicht erklärbare Abweichungen in Regressionsmodellen (allgemeinen Prognosemodellen), die das Delta zwischen tatsächlichem Wert (Actual) und prognostiziertem Ergebnis darstellen.
RisikoRisiko ist die Beschreibung eines Ereignisses mit der Möglichkeit negativer Auswirkungen.
RisikoaffinitätDie Risikoeinstellung wird oftmals zu Beginn einer PM-Dienstleistung mit einem Kunden abgefragt. Risikoaffine Kunden gehen tendenziell höhere Risiken ein, um auch höhere Chancen nutzen zu können.
RisikoausschussZentrales Organ der Risikosteuerung, bei dem alle Bereiche entlang der Wertschöpfungskette sowie der kaufmännische Vorstand und der Vertriebsvorstand vertreten sind. Der Risikoauschuss trifft strukture Entscheidungen, aber auch Einzelentscheidungen zu speziellen Geschäften.
RisikoaversionRisikoscheuheit, d. h. sichere Gewinne (o. Ä.) werden präferiert, die Gefahr von Verlusten wird hoch bewertet.
RisikocontrollingDas Risikocontrolling überwacht das Ausfallrisiko und Marktrisiko in einem Handelsunternehmen.
Risikoeinstellung/RisikopräferenzEinstellung von Kunden oder Personen zum Risiko (abzugrenzen von Risikoverhalten = beobachtbare Reaktion bei auftretendem Risiko); unterteilt in: Risikoaversion/-scheuheit, Risikoneutralität, Risikoaffinität/-freudigkeit
RisikokapitalKapital (in der Regel aus Eigenkapital oder erwirtschafteten Gewinnen), das zum Tragen von Risiken verfügbar ist bzw. zur Verfügung gestellt wird, um eintretende Verluste als Unternehmen tragen zu können.
RisikomanagementDas Risikomanagement umfasst alle Maßnahmen zur systematischen Erkennung, Analyse, Bewertung, Überwachung und Kontrolle von Risiken.
RisikoneutralitätRisiken und Chancen werden gleich hoch bewertet. In der Regel sind Menschen risikoavers. Der Begriff kommt eher aus der akademischen Welt und dient dazu, Modelle zu beschreiben.
Risikoquantifizierung Bewertung eines Risikos bei Eintritt in Euro
Rotierende MassenJeder Synchrongenerator und Motor im Synchronverbund verfügt über sogenannte rotierende Masse (Schwungrad), die mit Netzfrequenz im stationären Fall rotiert und somit eine kinetische Energie besitzt. Infolge der in den rotierenden Massen gespeicherten Energie liefern Synchrongeneratoren und Motoren Momentanreserve durch Auf- oder Entnahme von Beschleunigungsleistung und damit gespeicherter kinetischer Energie.
SchwarzstartAls Schwarzstart wird das Anfahren eines Kraftwerks(blocks) bezeichnet, wenn dies unabhängig vom Stromnetz geschieht. Unter Schwarzstartfähigkeit versteht man die Fähigkeit eines Kraftwerks(blocks), unabhängig vom Stromnetz aus dem abgeschalteten Zustand hochzufahren. Dies ist insbesondere bei einem flächendeckenden Stromausfall von Bedeutung, um das Netz wieder in Betrieb zu nehmen. Die Energie schwarzstartfähiger Blöcke kann dann zum Anfahren nicht schwarzstartfähiger Blöcke verwendet werden.
Sekundärenergiemengen-BedingungVertragliche oder ökologische Auflagen zu maximal zu erzeugenden Energiemengen in einem vorgegebenen Zeitraum in einem Kraftwerk
Sekundärhandel (Erdgas)Weiterverkauf bereits erstandener Transport- oder Speicherkapazitäten
Sekundärmarkt (Secondary Market)Zertifikatehandel, bei dem der Verkäufer nicht unbedingt der Erzeuger des Zertifikats ist und mehrere Handelstransaktionen stattfinden können, z. B. der Handel an der Börse.
Sekundärregelreserve(SRL)Die nur kurzzeitig verfügbare Primärregelreserve muss möglichst rasch durch Sekundärregelreserve abgelöst werden. Dies erfolgt innerhalb von fünf Minuten durch Inbetriebnahme von beispielsweise schnell regelbaren Wasserkraftwerken oder Anpassung von Gas- und Dampfkraftwerken im Teillastbetrieb. Die Sekundärregelreserve wird automatisch aktiviert, aber selektiv, d. h. verursachergerecht, also nur im ausfallbetroffenen Regelzonenverbund.
Settlement(-preis)Das Settlement bzw. der Settlementpreis bezeichnet den an jedem Handelstag (zu einer bestimmten Uhrzeit) festgelegten Preis von Börsenkontrakten.
Short-PositionEin Marktteilnehmer mit einer Short-Position hat ein benötigtes Handelsgut in seinem Portfolio noch nicht beschafft und profitiert von sinkenden Preisen. Vertriebsunternehmen, die den Strom für ihre Kunden einkaufen müssen, besitzen in der Regel eine Short-Position (an Strom). Gegenteil: Long Position.
Single-Shaft-AnlageEinwellenanlage, d. h. die Gasturbine und die Dampfturbine sind auf einer gemeinsamen Welle angeordnet.
Steinkohleneinheit(SKE )Definierte Energieeinheit: 1 kg Steinkohle mit 29.308 kJ (= 7.000 kcal/kg)
Spark Spread (auch: Dirty Spark Spread)Spanne zwischen Strompreis (Base/Peak) und Erzeugungskosten (Gas) eines Gaskraftwerks
SpekulationBei der Spekulation werden risikobehaftete Handelsgeschäfte getätigt, mit dem Ziel, durch frühzeitiges Erkennen von Markttrends Gewinne zu erwirtschaften. Spekulationen werden in Energiehandelsunternehmen üblicherweise von sogenannten Eigenhändlern betrieben.
Spezifische StromgestehungskostenKosten zur Erzeugung einer Einheit elektrischer Energie unter Einbezug der Investitions- und sonstigen Betriebskosten bezogen auf die Volllaststundenzahl
SpotmarktAm Spotmarkt wird Strom zeitnah (in der Regel für den nächsten Tag) gehandelt. Der Spotmarkt wird im Wesentlichen von Energieunternehmen und Großkunden genutzt, um kurzfristig ihr Stromportfolio zu optimieren, z. B. die Produktion an die Witterung anzupassen oder Kraftwerksausfälle zu kompensieren.
StammgebietDie Bilanzierungsgebiete, in denen der Kunde den Grundversorger stellt.
StandardprodukteAn Handelsplattformen handelbare Produkte, z. B. Baseload Cal16, NCG 2015 etc.
Startpreis(SP)Kosten eines Kraftwerksstarts
StauzielDie Wasserspiegelhöhe oberhalb einer Stauanlage (z. B. Wehr, Talsperre, Schleuse oder Flusskraftwerk), die nach ihrer Zweckbestimmung für den normalen Betriebszustand im Regelfall zulässig ist.
Stop LossHandelsstrategie zur Verlustbegrenzung durch Schließen einer offenen Position, die defizitär ist.
Stress-TestBerechnung des Wertverlusts einer Position / eines Portfolios im Extremfall (Worst Case) innerhalb einer vorgegebenen Haltedauer
StrombörseEine Strombörse ist ein neutraler Handelsplatz mit transparenter Preisbildung und verfolgt keine eigene Handelsstrategie. Für alle dort zugelassenen Handelsteilnehmer gelten die gleichen Konditionen. Stromerzeuger und -händler bieten hier Wochen-, Tages- und Stundenprodukte an. Die Preise orientieren sich dabei an der momentanen Marktlage. Als Warenbörse unterliegt die Strombörse dem deutschen Börsengesetz. Für im europäischen Ausland niedergelassene Börsen gelten ggf. andere gesetzliche Bestimmungen bzw. Zulassungsvoraussetzungen.
Stromgeführter BetriebEinsatzstrategie für KWK-Anlagen, die bei hohen Strompreisen eingesetzt werden. Ein Pufferspeicher speichert Wärme und stellt diese für die Nutzung bereit.
Stromsteuergesetz (StromStG)Das Stromsteuergesetz regelt die Besteuerung des Verbrauchs von elektrischem Strom durch eine Stromsteuer in Deutschland. Die Stromsteuer wurde 1999 im Rahmen des „Gesetzes zum Einstieg in die ökologische Steuerreform“ eingeführt („Ökosteuer“). Die Stromsteuer ist eine indirekte Verbrauchssteuer, die a) beim Stromversorger anfällt, wenn Strom von einem Letztverbraucher aus dem Versorgungsnetz entnommen wird, und b) bei Eigenerzeugern, die Strom zum Selbstverbrauch entnehmen.
Strukturierte ProdukteEnergieprodukte, die in der Regel nicht über Standardhandelsplattformen handelbar sind, aber über Standardprodukte absicherbar/darstellbar sind, z. B. Fahrplangeschäfte.
StundenreserveSammelbegriff für Maßnahmen seitens des Bilanzkreises zum wirtschaftlich sinnvollen Ausgleich der eigenen ausgefallenen Erzeugungsleistung. Verantwortlich für die Erbringung der Stundenreserve ist der Bilanzkreisverantwortliche.
Sub-BilanzkontoDer Bilanzkreisverantwortliche richtet unterhalb seines Bilanzkreises im jeweiligen Marktgebiet ein Sub-Bilanzkonto durch den Bilanzkreisnetzbetreiber ein.
SwapBei einem Swap vereinbaren die Vertragspartner den Austausch von Zahlungsströmen. Ein auf den Energiemärkten häufig ausgeführter Swap ist der Tausch eines fixen gegenüber einem flexiblen Preis für Brennstoffe (z. B. Kohle). Der Swap stellt ein rein finanzielles Geschäft dar und wird häufig dazu verwendet, langfristige Brennstoffverträge (Steinkohle, Erdgas) für einen bestimmten Zeitraum preislich zu fixieren und somit die Kosten des Brennstoffbezugs abzusichern.
Synthetisches LastprofilEin synthetisches Lastprofil ist ein auf 1.000 kWh normiertes Standardlastprofil. Es gibt allgemeine Lastprofile wie die des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) oder netzspezifische Lastprofile, die von den Verteilnetzbetreibern veröffentlicht werden.
SystemdienstleistungenLeistungen des Kraftwerksbetreibers an den Netzbetreiber zur Aufrechterhaltung und Wiederherstellung eines geordneten Netzbetriebs (z. B. Regelenergie, Blindleistung, Schwarzstartfähigkeit)
Szenarienbaum Aufspannen eines Baumes, der verschiedene mögliche Entwicklungen zu (auch voneinander abhängigen) Pfaden mit bestimmten Eintrittswahrscheinlichkeiten enthält.
SzenarienbaumreduktionZusammenfassung ähnlicher Pfade im Szenarienbaum zur Rechenzeitreduktion
TageseinsatzoptimierungKurzfristige Optimierung der Kraftwerksfahrweise unter Berücksichtung technischer und wirtschaftlicher Nebenbedingungen
Take-or-Pay (Contract)(ToP)Vereinbarung, die den Käufer verpflichtet, einen Energieträger (Strom, Erdgas) auch dann in Höhe der vertraglich vereinbarten Menge zu bezahlen, wenn das Produkt nicht in entsprechender Menge bezogen wurde. Solche Vereinbarungen dienen häufig dazu, für eine teure Infrastruktur Mindesterlöse zu generieren und die Investitionen damit finanzierbar zu machen.
Technische AnalyseDie Technische Analyse (auch Technische Chartanalyse genannt) versucht aus der Kurs- und Umsatzhistorie (insbesondere der historischen Chartverläufe) kurzfristige Kursentwicklungen vorauszusagen. Sie ist ein wesentliches Hilfsmittel für Händler und Portfoliomanager bei der Einschätzung zukünftiger Marktpreisentwicklungen und ein Instrument zur Bestimmung von Kauf- bzw. Verkaufssignalen.
Technische SterbelinieZusammensetzung des Kraftwerksparks nach Technologien in Abhängigkeit von der technischen Lebensdauer, ausgehend von einem Startzeitpunkt
TermingeschäftHandelsgeschäft über ein Underlying, dessen Vertragsbedingungen (Preis, Menge, Fälligkeit) zum Handelszeitpunkt festgelegt werden, dessen Erfüllung (Lieferung, Bezahlung) jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt. Bei einem Vertragsabschluss muss weder der Verkäufer die gehandelten Güter besitzen noch der Käufer die liquiden Mittel. Damit sind Termingeschäfte mit einem beträchtlichen Adressen-Ausfallrisiko verbunden.
TerminmarktAuf dem Terminmarkt werden Stromprodukte zu einem zukünftigen Zeitpunkt (z. B. Monate, Quartale, Jahre) gehandelt. Im Gegensatz zum Spotgeschäft können auch nur Finanzströme fließen. Der Terminmarkt dient im Wesentlichen der Absicherung gegen zukünftige Preisschwankungen (Risikomanagement).
Trading FloorOrt, an dem ein Handelsunternehmen seine Geschäfte ausübt. Der Trading Floor untergliedert sich in drei organisatorische Bereiche: Front Office, Middle Office und Back Office.
TransformatorEin Transformator ist ein Gerät zur Übertragung elektrischer Energie von einem Wechselstromkreis auf einen anderen, wobei die Spannung je nach Bedarf erhöht (hochtransformiert) oder gesenkt (heruntertransformiert) werden kann. Transformatoren sind wichtige Bestandteile eines Stromnetzes. Die in einem Kraftwerk erzeugte Elektrizität muss vor der Übertragung auf ein geeignetes Niveau (zwischen 100 und 800 kV) hochtransformiert werden und später zur Versorgung der Haushalte auf die Netzspannung (110–230 V) heruntertransformiert werden. Zu beachten ist, dass Gleichspannung nicht wie Wechselspannung transformiert werden kann.
TransparenzplattformDie Transparenzplattform dient zur zur zeitnahen Veröffentlichung marktrelevanter Erzeugungsdaten. Hierdurch soll die Transparenz auf den Großhandelsmärkten erhöht sowie der Missbrauch von Marktmacht bekämpft werden.
Treibhausgase(THG)Gase, die für die Erderwärmung verantwortlich sind. Im Kyoto-Protokoll sind sechs Treibhausgase festgelegt: Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Distickstoffoxid (N2O), H-FKWs, FKWs, SF6. Eine Vergleichbarkeit wird durch Umrechnung entsprechend den jeweiligen treibhausgasspezifischen globalen Erwärmungspotenzialen in CO2e (Kohlendioxidäquivalente) erreicht.
Transmission System Operator(TSO)Übertragungsnetzbetreiber
Übertragungsnetz(ÜN)Das Übertragungsnetz dient zum überregionalen Stromtransport über weite Entfernungen und umfasst die Höchst- und Hochspannungsebenen von 380 kV und 220 kV. Um den Strom zum Endkunden zu transportieren, wird er über Netzkuppeltransformatoren in das Verteilnetz eingespeist.
Übertragungsnetzbetreiber(ÜNB)Regelverantwortlicher Netzbetreiber von Hoch- und Höchstspannungsnetzen zur überregionalen Übertragung von Elektrizität
Union for the Coordination of Transmission of Electricity(UCTE)Zuständig für die Koordinierung des Betriebs und der Erweiterung des Stromnetzverbundes in Europa. Mitglieder der UCTE sind 34 Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) in 22 Ländern, die über 400 Millionen Menschen in Europa mit Strom versorgen. Die skandinavischen ÜNB sind Mitglieder der NORDEL. Da die Netze der UCTE und der NORDEL nicht synchron betrieben werden, können die beiden Verbundnetze nur über Gleichstromkupplungen (Hochspannungsgleichstrom-Übertragung, HGÜ) verbunden werden.
UnbundlingOrganisatorische oder eigentumsrechtliche Entflechtung hinsichtlich der Unternehmensbereiche Energieerzeugung, -vertrieb und Netze
Unelastische Nachfrage / Unelastisches AngebotNachfrage oder Angebot ist unelastisch, wenn es schwach bzw. gar nicht auf Preisänderungen reagiert.
United Nations Framework Convention on Climate Change(UNFCCC)Die Klimarahmenkonvention, ein Vertrag, der 1992 auf dem Weltgipfel in Rio de Janeiro von über 150 Ländern ratifiziert wurde. Das Endziel dieses Übereinkommens ist „die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine gefährliche anthropogene (vom Menschen verursachte) Störung des Klimasystems verhindert wird“.
UnsicherheitAllgemeine Definition: Oberbegriff für Risiko und Ungewissheit. Risiken lassen sich im Gegensatz zu Situationen, in denen Ungewissheit vorliegt, mit Eintrittswahrscheinlichkeiten belegen. Im Vortrag werden allgemein Unsicherheiten mit Risiken gleichberechtigt verwendet, können aber auch positive Auswirkungen haben.
Value at Risk(VaR )Der VaR stelllt den potenziellen Wertverlust einer offenen Position dar. Er beschreibt den Verlust, der bei normalen Marktbedingungen innerhalb eines festgelegten Zeitraums mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird.
Verfügbarkeit (Kraftwerk/Anlage)Die Verfügbarkeit (Availability) eines Kraftwerks beschreibt den technisch möglichen Einsatzbereich einer Anlage zu einer bestimmten Zeit, unabhängig von der letztendlichen, tatsächlichen Fahrweise.
Verified/Voluntary Emission Reductions(VERs)Emissionsreduktionen, die im Gegensatz zu CERs lediglich auf dem freiwilligen Markt gehandelt werden. Dieser Markt für Reduktionszertifikate ist nicht reguliert und vom Kyoto-Protokoll und dem EU ETS unabhängig.
Verteilnetz/VerteilungsnetzElektrizitätsnetz, das zur Belieferung von Endverbrauchern mit elektrischer Energie dient. Die Spannung ist niedriger als in den Übertragungsnetzen (zwischen 230 V und 110 kV) und auch die übertragenen Leistungen sind entsprechend niedriger.
Vertragsrelevante Prognose(VRPROG)Hierbei handelt es sich im Rahmen des Offenen Liefervertrags/Bilanzkreismanagements um die Prognose, die zum Zeitpunkt der Day-Ahead-Nominierung im System verfügbar war und folglich „vertragsrelevant“ abgerechnet wird.
Virtueller Handelspunkt (VHP)Ein virtueller Punkt in einem Entry-/Exit-System, an dem Gas nach der Einspeisung und vor der Ausspeisung innerhalb des Marktgebiets gehandelt werden kann.
Volatilität(Vola)Maß für die Schwankungsintensität eines Wertpapierkurses oder Index um seinen Mittelwert innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Dabei gibt die Volatilität nicht die Richtung der Preisschwankungen an, sondern die Amplitude. Je höher die Volatilität, um so stärker kann der Kurs nach oben und unten ausschlagen. Man unterscheidet zwischen der historischen und der impliziten Volatilität. Während die historische Volatilität mit den zurückliegenden Preisen des Underlyings eines bestimmten Zeitraums berechnet wird und in Prozent des Underlying-Durchschnittspreises angegeben wird, ist die Implizite Volatilität eine Größe, die aus den beobachteten Preisen für Optionen abgeleitet wird, und orientiert sich damit an der Erwartung der Marktteilnehmer bezüglich der zukünftigen Volatilität.
Volllaststunden/Vollbenutzungsstunden(VBh)Quotient aus der Jahresenergiemenge (in kWh oder MWh) und der maximalen Leistung (in kW oder MW). Der Begriff wird bei Kraftwerken wie auch bei Stromverträgen verwendet. In der Gaswirtschaft spricht man von Benutzungsstunden.
Vollversorgung (Beschaffung)(VV)Klassische Vollversorgungsprodukte versorgen die Kunden (Endkundenvertriebe) nicht nur mit exakt bestimmten Strommengen zu exakt bestimmten Zeitpunkten zu vorher fixierten Preisen, sondern sichern auch eventuelle Abweichungen von der Absatzprognose während der Lieferphase ab (Übernahme von Preis-, Struktur- und Mengenrisiko).
Voluntary Carbon MarketIm internationalen Sprachgebrauch wird freiwillige Kompensation auch als „Voluntary (Carbon) Offsetting“ bezeichnet. Man spricht von freiwilliger Kompensation, wenn die Kompensation nicht getätigt wird, um ein bestimmtes, verbindliches Emissionsziel zu erreichen, wie es z. B. einigen Ländern im Kyoto-Protokoll vorgegeben ist. Während die Emissionsreduktionen aus dem CDM und dem JI für das Erreichen verpflichtender Klimaschutzziele wie beispielsweise im Europäischen Emissionshandel (EU ETS) genutzt werden können, also im sogenannten Verpflichtungsmarkt gehandelt werden, sind Zertifikate aus Klimaschutzprojekten (z. B. VERs), die diesen internationalen Anerkennungsprozess nicht durchlaufen haben, von diesem Markt ausgeschlossen.
VorleistungsrisikoRisiko, dass ein Kunde ausfällt und bereits erbrachte Leistungen/Lieferungen nicht bezahlt werden.
Wärmegeführter EinsatzEinsatzstrategie für KWK-Anlagen, bei der die Anlagen bei lokaler Nachfrage nach Wärme bzw. Heizenergie eingesetzt werden.
WiederabsatzrisikoRisiko, dass ein Geschäftspartner ausfällt und Energiemengen anderweitig zu einem ungünstigeren Preis an einen Dritten verkauft werden müssen.
WiedereindeckungsrisikoRisiko, dass ein Geschäftspartner ausfällt und Energiemengen anderweitig zu einem ungünstigeren Preis von einem Dritten eingekauft werden müssen.
Wobbe-IndexQuotient des Heizwertes (Brennwertes) und der Wurzel aus dem Dichteverhältnis von Brennstoff und Luft
ZielnetzplanungLangfristige Netzplanung (40–50 Jahre) hin zu einem „optimalen“, d. h. kostengünstigen Netz
Zuordnungsermächtigung(ZOE)Mittels ZOE gestattet der Bilanzkreisverantwortliche die Zuordnung von Zählpunkten des Lieferanten zu seinem Bilanzkreis.
Zuordnungsvereinbarung(ZOV)Dieser Vertrag regelt die Rechte und Pflichten innerhalb der MaBiS zwischen Verteilnetzbetreiber und Bilanzkreisverantwortlichem.
Zuteilung (CO2)Die Zuteilung der Emissionsberechtigungen, die kostenfrei zugeteilt werden können oder auch kostenpflichtig via Auktionen verkauft werden, auf die Teilnehmer des Emissionshandelssystems. Methoden zur kostenfreien Allokation sind Grandfathering oder Benchmarking.